4. Die Wiederkehr der Phänomenologie

Als Bert Hellinger um 2005 sein „geistiges Familienstellen“ als etwas ganz Neues vorstellte, „verschwanden die Worte ‚systemisch‘ und auch ‚phänomenologisch‘ aus seinem Vokabular. Man könnte also zu dem Schluss kommen, dass beides und auch beides zusammen mit der neuen Arbeitsweise obsolet geworden seien. Das war aber nicht der Fall! 2013 maß er in seinen Grazer Vorträgen dem phänomenologischen Erkenntnisweg unmissverständlich eine grundlegende Bedeutung für seine Arbeit zu.“1

Noch 2018, als ich das schrieb, wunderte ich mich darüber. Allerdings hatte ich keine Erklärung dafür, weshalb er nach fast 10 Jahren Schweigen auf einmal wieder darüber sprach – und zwar so, als gäbe es nichts Wichtigeres in der Aufstellungsarbeit. Wenn wir aber vom oben Gesagten aus­gehen, wird eines klar: Sophie war bei dieser Gelegenheit (Graz, 2013) nicht zugegen. Bert konnte frei reden!

Berts Phänomenologie dürfte Sophie aus drei Gründen zuwider sein. Erstens ist sie, wie gesagt, für jeden schwer zu verstehen. Zweitens ist es eine Philosophie, das mochte sie sowieso nicht. Und drittens passte sie nicht zu ihren Geschäftsinteressen! Sie wollte das Familienstellen als etwas Eigenes haben, das nur ihr gehörte. Deshalb hatte sie, offenbar mit Berts Segen, das „Neue Familienstellen“ erfunden, was Alles und Nichts bedeuten kann. Später wurde es in „Original-Hellinger®-Familienstellen“ umgetauft. Das ist insofern spezifischer, als es Sophies persönliche Eigentums-Anprüche unübersehbar zum Ausdruck bringt. Beide Bezeichnungen sind in der Sache inhaltsfrei und substanzlos.

Das „phänomenologisch-systemische“ Familienstellen hingegen hat einen sehr spezifischen Inhalt. Doch dieses Familienstellen, das Bert und Sophie einvernehmlich als „alt“ und „stehengeblieben“ schmähten, das gab es schon vor Sophie in den späten 90er Jahren. Darauf konnte sie keine rechtlichen Ansprüche anmelden. Doch alles, was später angeblich neu hinzu kam, blieb nebelhaft. Die besondere Vorgehensweise, die Anforderungen an Aufsteller und Stellvertreter, waren im „Neuen“ oder „geistigen“ Familienstellen exakt die gleichen wie zwanzig Jahre zuvor. Wenn Bert nun 2013 betonte, dass sich an der grundlegenden Bedeutung der Phänomenologie nichts geändert habe,ist das auch eine Absage an dieses angeblich Neue Familienstellen.

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  1. Gehrmann/Steinbach, S. 32 ↩︎

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