Wo auch Bert nicht die Wahrheit sagte

Vor einer Weile schrieb mir ein Kollege aus der älteren Aufsteller-Generation: „Das Heraus­fordernde dabei ist: Da ist nicht nur ‚die böse Hexe‘ verantwortlich, sondern Bert selbst. Wenn er sich hat verhexen lassen, ist auch dies seine eigene Verantwortung.“ Dieser Gedanke war und ist allerdings heraus­fordend für mich. Ich wäre gern bei der Sichtweise geblieben: Lügen und Intrigen gehören zu ihr, aber nicht zu ihm. Und nun fügte dieser Kollege ausdrücklich an: „Bert hat auch gelogen.“

Gern hätte ich sofort dagegen gehalten: „Hat er nicht!“ Aber dieser Mann ist einer, der solche Dinge nicht leichtfertig daher redet. Außerdem kannte er Bert schon in einer Zeit aus der Nähe, als ich ihn nur aus der Ferne bewunderte.

So unangenehm mir dieser Gedanke war, er ließ mich nicht los. Ich überlegte und grübelte, worin Bert gelogen haben könnte. Das Einzige, das mir einfiel, waren seine steten Behauptungen ab 2010, dass er „gemeinsam mit Sophie“ das Familienstellen immer weiter entwickeln würde. Das habe ich ihm nie geglaubt.

„Die neuesten Entwicklungen im Familienstellen“ wurden zwar im Halbjahres-Rhythmus zu jedem Internationalen Trainingscamp angekündigt, erwiesen sich aber regelmäßig als Luftnummern. Entweder war ich völlig blind und unverständig, oder es gab keine einfach substantielle neue Entwicklung. Was Bert zusammen mit Sophie „weiter entwickelt“ hätte, da blieb mir und anderen verborgen.

Ein einziges Mal hat Bert mir gegenüber etwas Konkretes als Sophies Beitrag benannt. Am Rande seines Vortrages Natürliche Mystik in Hamburg 2008 verblüffte er mich mit der Aussage: „Die Mutter ist eine Gottesoffenbarung!“, und er fügte an: „Darauf hat mich Sophie gebracht.“ Dass Sophie jemals so etwas wie eine Gottesoffenbarungen auch nur erwägen würde, war an sich schon unwahr­schein­lich. Für ihn selbst war es das zentrale Thema seines Lebens.

Jahre später fand ich die gleiche Aussage in einem von Berts älteren Texten. Abgesehen davon, dass er dort nicht von „Gott“ sprach, sondern vom „Urgund“, war ihm dieser Gedanke schon in den 90er Jahren vertraut gewesen, als er Sophie überhaupt noch nicht kannte. Vielleicht hat er in dem Augen­blick wirklich geglaubt, Sophie habe ihn auf diesen Gedanken gebracht. Dann müsste man es nicht Lüge nennen. Aber wahr war es eben auch nicht.

Mehr Lügen von Bert als diese, dass er seiner Frau eine Bedeutung für die Aufstellungsarbeit zuschrieb, die sie nie hatte, fallen mir nicht ein. Aber keine Lüge bleibt folgenlos, auch diese nicht.

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