Die Heilige Dreifaltigkeit

Von der Dreifaltigkeit, wie sie im Glaubensbekenntnis von Nizäa besungen wird, hielt Bert Hellinger nicht viel. Gott? Völlig unfassbar. Jesus? Ein gewöhnlicher Mensch. Der Heilige Geist? Wird nicht erwähnt – außer, dass der „Geist“, von Bert seit Mitte der 2000er Jahre sprach und schrieb, natürlich ein denkbar Heiliger Geist wäre.

Auf der Seite Bert Hellinger und die Religion schrieb ich, dass ich seine Auffassung hierin bedingt teile. Wie er sehe auch ich den Christus nicht als „Gott“, sondern eher im Verständnis von Martinus als „Welterlöser“.1 Wie für Bert Hellinger ist auch für mich der Gott des Alten Testamentes eine vor­christliche, eher barbarische Gottesvorstellung. Die menschliche Vorstellung vom Kosmos ist begrenzt2, und entsprechend begrenzt sind die menschlichen Gottesvor­stel­lun­gen. Und was immer der „Heilige Geist“ ist: Er ist jenseits dieser Grenze, der ganz unsagbare Gott.

Gleichwohl wird das Göttliche in verschiedenen religiösen Traditionen als Dreiheit dar­gestellt, zum Beispiel im Hinduismus als Trimurti mit Brahma, Vishnu und Shiva.

In Burkhard Heims Modell der 12 Dimensionen machen die obersten drei Dimsionen den Bereich der Gottheit aus. Marko Pogačnik hat dieses Modell ein einem seiner Bücher3 als Grafik skizziert. Pogačnik berichtet einen Traum in dem er drei Bücher findet, die er nicht öffnen darf. Aber wenn er sie in die Hand nimmt, erspürt er, worauf sie sich beziehen: Das erste betrifft die zehnte Dimension, den Aspekt der Gottheit, der in allen Wesen­heiten des Weltalls als „gött­licher Funke“ anwesend ist. Die elfte Dimension darüber ist der Aspekt der univer­sellen Gott­heit, der „die unerschöpfliche Fülle aller Sternensysteme und Lebens­for­men“ her­vor­bringt. Die zwölfte, höchste Dimension betrifft „das So-Sein der Gottheit“, über das wir nichts wissen und nichts sagen können.4

Ähnlicht spricht Martinus vom „göttlichen Etwas“, dem „göttlichen Schöpfungs­prinzip“ und vom „Erschaf­fenen“, dem göttlichen Funken in allen Lebewesen als einer Dreiheit.

Dagegen erscheint die dogmatisch-christliche Vorstellung von Gottvater, Sohn und Heiligem Geist etwas hergeholt und willkürlich. Hier geht es darum, den Christus Jesus in die alte, jüdische Gottesvorstellung des einen und eifersüchtigen Gottes in einer Weise einzufügen: Jesus soll als Gott in Menschengestalt erscheinen, ohne sich von der jüdischen Tradition zu distanzieren. Man darf nicht vergessen, dass die vier kanonischen Evangelien mehrere Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte nach Christus verfasst und redigiert wurden. Sie alle verfolgen eine kirchenpolitische Absicht.

Das Johannes-Evangelium ist etwas anders, philosophischer. Es spricht von Christus als dem Logos, dem Schöpfungswort, das die Welt ins Dasein bringt. Auch diese christologische Deutung ist etwas willkürlich, und man muss sie nicht teilen. Immerhin bedeutet das Logos-Konzept, dass der absolute Geist, von dem man nichts sagen kann, sich selbst als Schöpfer hervorbringt, als Logos. Über den kann man durchaus etwas sagen, nämlich dass er eine Schöpfung hervorbringt: Das Wort ist Fleisch geworden, ist Materie und auch Mensch geworden.

Also leuchtet selbst noch in der dogmatischen Trinität oder Dreifaltigkeit etwas Großes und Richti­ges auf. Wenn Bert Hellinger dieses trinita­rische Dogma in Bausch und Bogen ver­wirft, dann schüttet er das Kind mit dem Bade aus. Möglicherweise brauchte er das, weil erst diese Ablehnung dieser kirchlichen Glaubensgebote ihm den Raum gab für das, was ihm wirklich wichtig war: für die eigene Erfahrung der Wirklichkeit Gottes.


  1. https://www.martinus.dk/de/ddt/resultat.php ↩︎
  2. 2023 habe ich dazu einen hübschen, kleinen Text von 4 Seiten geschrieben, Leben in der Muschel. Er ist als PDF verfügbar. Wer ihn haben möchte, schreibe mir eine E-Mail. ↩︎
  3. Marko Pogačnik, Synchrone Welten. Geomantie des zwölfdimensionalen Lebensraums. Aarau/München 2011. S. 102. ↩︎
  4. Auch zu diesem 12-Dimensionen-Modell habe ich einen kleinen, zusammenfassenden Text von 4 Seiten verfasst, der als PDF erhältlich ist. Wer ihn haben möchte, schreibe mir eine E-Mail. ↩︎

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