Phänomenologisch

Im Artikel Über Bert Hellinger schrieb ich: „Abgesehen von ‚phänomenologisch’ ist er ohne jedes Fremd­wort ausgekommen, und speziell dieser eine Begriff hat sich als wenig hilfreich erwiesen.“ Hilfreich wäre er dann, wenn er die oft rätselhaft wirkende Vorgehensweise Hellingers klar machen, eben „auf den Begriff bringen“ würde. Tatsächlich jedoch erklärt er mir wenig, und damit bin ich nicht allein. „Phän­omeno­logie ist etwas ganz anderes, als die meisten Aufsteller darunter verstehen“, bemerkte auch Wilfried Nelles.1

Dieser Begriff spielt in der Aufstellungsarbeit nach Hellinger doch eine große Rolle. „Phänomenologisch“ aufzustellen ist nach wie vor das zentrale Unterscheidungskriterium gegenüber der Aufstellungsarbeit der systemischen Therapie. Und gibt es nach einem viertel Jahrhundert immer noch keinen Konsens, was man sich darunter vorstellen muss. Gewiss, Hellinger hat im Lauf der Jahre immer wieder darüber gesprochen und geschrieben. (Zum Beispiel hier in Über Psychotherapie hinaus oder hier in Ordnungen der Liebe.) Trotzdem ist diese Unsicherheit geblieben, was mit dem Wort gemeint sei.

Ein philosophisches Konzept der Phänomenologie bestand schon vor Hellinger. Der hat den Begriff aufgenommen und für seine Vorgehensweise bei der Aufstellungsarbeit verwendet. Bei jener Phäno­menologie handelt um eine spezielle Richtung in der akademischen Philo­sophie, die ihrerseits als schwer verständlich gilt. Hilft uns ein Rückgriff auf Husserl oder Heidegger weiter? Nicht wirklich!

Soweit ich es überschaue, haben die Schwierigkeiten zu verstehen, was Hellinger damit meinte, mehrere Gründe. Der erste ist, dass diese Vorgehensweise dem Alltagsdenken widerspricht, das von den materialistischen Naturwissenschaften geprägt ist. Ich erläutere das in dem Beitrag „Beobachtung und Wahrnehmung„.

Der zweite Grund ist, dass Bert Hellinger verschiedene Vorgänge als phäno­meno­logisch bezeichnete, die nur bedingt vergleichbar sind. Mehr dazu im Beitrag „Drei Ebenen der Phänomenologie„.

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