Bert verwandte immer wieder die Formulierung, dass sich in dieser Vorgehensweise „etwas zeigt“, und zwar „das Wesentliche“. Aber wie und wem es sich zeigt, war dabei oft unklar. Zum Beispiel, wenn er hier das Wort „Phänomen“ erklärt: „Das ist also etwas, was sich zeigt.“ An seinem Parade-Beispiel Gewissen: „Bei der philosophischen Phänomenologie geht es darum, aus der Fülle der Phänomene das Wesentliche wahrzunehmen, indem ich mich ihnen vollständig, gleichsam mit meiner größten Fläche, aussetze.“1
Bert verwandte immer wieder die Formulierung, dass sich in dieser Vorgehensweise „etwas zeigt“, und zwar „das Wesentliche“. Aber wie und wem es sich zeigt, war dabei oft unklar. Zum Beispiel, wenn er hier das Wort „Phänomen“ erklärt: „Das ist also etwas, was sich zeigt.“ An seinem Parade-Beispiel Gewissen: „Bei der philosophischen Phänomenologie geht es darum, aus der Fülle der Phänomene das Wesentliche wahrzunehmen, indem ich mich ihnen vollständig, gleichsam mit meiner größten Fläche, aussetze.“
Die Phänomene, denen er sich da aussetzt, ist in diesem Fall alles, was so über das Gewissen gesagt und geschrieben wurde – also etwas, was für jeden ersichtlich und nachvollziehbar ist. Wie aber nimmt er „aus der Fülle der Phänomene das Wesentliche wahr“? Wie zeigt es sich denn? Hebt eines dieser Phänomene den Finger und ruft: „Ich bin‘s“? Also, ist das Wesentliche eines dieser für jeden sichtbaren Phänomene? Oder ist es eher wie ein Zwerg, der plötzlich hinter einem Baum hervor springt, kurz sichtbar für den, der es zu sehen vermag?
An anderer Stelle beschreibt Hellinger ein Beispiel aus der Aufstellungsarbeit: „Ja, ich sammle mich und bin dann im Einklang mit der Person, um die es geht. Und während ich da sitze, sehe ich auf einmal: Links von der Frau sitzt jemand, ein Kind. Dann habe ich eine Person [als Stellvertreter für das Kind] ausgewählt und sich dort hin setzen lassen.“2 <Fn: Kind> Hier wird es klarer! Wenn er auf einmal das Kind sieht, dann sieht er es vor seinem inneren Auge. Es ist keineswegs für jeden sichtbar, der ebenfalls mit im Raum ist.
Die Phänomene, die da und für jeden sichtbar sind, sind die Falleinbringerin und ihr Anliegen, soweit sie es ausgesprochen hat. Dieses Kind hingegen ist das, was sich ihm und nur ihm zeigt. Es ist das Wesentliche für den nächsten Schritt. Hier ist dieser Schritt ganz einfach: dieses Kind durch einen Stellvertreter für alle sichtbar werden zu lassen – vor allem natürlich für die Frau selbst (also „die Person, um die es geht“) beziehungsweise deren Stellvertreterin.
Wir müssen also zwei sehr verschiedene Ebenen unterscheiden, auf denen „sich etwas zeigt“: Das eine ist die Ebene der äußeren, materiellen Welt. Hier können wir mit den Sinnesorgangen ewas erkennen, welche auf das Erkennen dieser äußeren Welt gerichtet sind, etwa mit unseren physischen Augen und Ohren. Das gilt auch für Abstraktionen, im Fall des Gewissens etwa Aussagen und Texte darüber. Jeder kann überprüfen, ob diese Aussagen getan und diese Texte veröffentlicht wurden. Ob sie sachlich zutreffen, ist eine ganz andere Frage.
Darüber hinaus gibt es eine nicht-materielle Ebene, für die wir offenbar auch nicht-physische Wahrnehmungs-Organe haben. Wir können vor unserem „inneren Auge“ sehen: „Da sitzt ein Kind!“
Für diese zwei sehr verschiedenen Ebenen brauchen wir auch zwei entsprechend verschiedene Vorgehensweisen. Die Weise, die der ersten Ebene angemessen ist, ist das Beobachten. Die Weise, die der zweiten Ebene angemessen ist, nennt Hellinger Wahrnehmung. Beobachtung ist ein äußerer Vorgang, Wahrnehmung ist ein innerlicher Vorgang. Was man in einer Aufstellen beobachten kann, das kann jeder im Raum beobachten. Was der Aufsteller innerlich wahrnimmt, bleibt für die Beobachter verborgen und rätselhaft.
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